NFV-Nachhaltigkeitspreis 2026
Hass stoppen, nachhaltig gewinnen: Diese 3 Vereine sind für den NFV-Preis nominiert
Drei Vereine stehen im Finale des NFV-Nachhaltigkeitspreises 2026: der TV Jahn Delmenhorst, der SV Einum und der FC Flegessen/Hasperde. Die Projekte zeigen, wie breit „Nachhaltigkeit“ im Amateurfußball inzwischen gedacht wird – als Haltung gegen digitale Gewalt, als konsequent umgesetztes Turnierkonzept mit Umwelt- und Sozialbausteinen und als langfristige, wertebasierte Vereinsentwicklung in der Jugendarbeit.
Ausgewählt wurden die Finalisten von einer elfköpfigen Jury, die nach Ende der Bewerbungsfrist digital zusammenkam und per Punktevergabe die drei besten Projekte ermittelte. Die Platzierungen werden am 5. Juni bei einer Ehrungsveranstaltung im Dänischen Pavillon auf dem EXPO-Gelände in Hannover bekannt gegeben. Für die drei Siegervereine sind zweckgebundene Geld- und Sachpreise im Gesamtwert von 15.000 Euro vorgesehen; unterstützt wird die Ausschüttung durch die Partner Volkswagen, die Sparkassen in Niedersachsen und die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung.
Drei Finalisten aus 55 Bewerbungen
Bis zum 31. Januar gingen 55 Bewerbungen ein, 50 davon erfüllten die Ausschreibungskriterien. Am Ende setzte die Jury auf drei Projekte, die jeweils einen anderen Hebel bedienen: gesellschaftliche Verantwortung, nachhaltige Veranstaltungslogik und strukturelle Vereinsarbeit über Jahre hinweg.
Nominiert sind:
- TV Jahn Delmenhorst mit „#StehaufgegendenHass“
- SV Einum mit dem „Sonnentaler Hallenmasters“
- FC Flegessen/Hasperde mit „Anstoß Zukunft“
Die Auswahl unterstreicht, dass der Preis Nachhaltigkeit nicht auf Mülltrennung oder Energiefragen reduziert. Es geht ebenso um den Umgang miteinander, um Teilhabe – und darum, ob ein Verein Belastungen im Alltag (online wie offline) ernst nimmt und daraus dauerhaft handlungsfähige Strukturen macht.
Delmenhorst setzt ein Zeichen gegen digitalen Hass
Beim TV Jahn Delmenhorst steht die soziale Dimension im Vordergrund. Die 2. Frauenmannschaft reagierte auf hasserfüllte Kommentare unter Beiträgen auf TikTok und Instagram – und entschied sich, die Abwertung nicht zu normalisieren, sondern öffentlich dagegenzuhalten. Die Botschaft der Aktion ist dabei klar: Digitale Angriffe bleiben nicht im Netz, sie treffen konkrete Menschen im Vereinsalltag.
„Wir möchten nicht länger schweigen. Wir wollen zeigen, dass digitale Angriffe reale Menschen treffen – und dass wir Hass im Netz nicht akzeptieren.“
Für „#StehaufgegendenHass“ schrieb das Team einige der schlimmsten Kommentare auf weiße Blätter. Fünf Spielerinnen hielten die Zettel nacheinander in die Kamera, standen auf und zerrissen sie. Anschließend folgte ein bewusst positiv gesetztes Statement: „Für Respekt. Gegen Hass. Für Fußball.“
Die Aktion steht exemplarisch für ein Problem, das viele Teams kennen: Wer sichtbar ist – gerade im Frauenfußball und auf reichweitenstarken Plattformen – wird leichter zur Zielscheibe. Delmenhorst macht daraus keinen PR-Moment, sondern einen Appell an Vereinsumfelder, Verantwortung nicht nur auf dem Platz einzufordern, sondern auch im digitalen Raum zu verteidigen. Überregional wurde das Projekt bereits aufgegriffen, unter anderem im Weser-Kurier und in der Sport BILD.
Einum und Flegessen/Hasperde verfolgen nachhaltige Vereinsentwicklung
Der SV Einum ist mit dem „Sonnentaler Hallenmasters“ unter den Finalisten – einem jährlich stattfindenden Non-Profit-Hallenfußballturnier, das sportlichen Wettbewerb mit einem ausgearbeiteten Nachhaltigkeits- und Sozialkonzept verknüpft. Für 2025 nennen die Verantwortlichen mehr als 5.300 Gäste; zudem habe das Turnier auf Instagram mehr als eine Million Aufrufe erreicht. Reichweite wird hier nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Hebel: Wer so viele Menschen erreicht, kann Standards setzen – bei Materialeinsatz, Abfallvermeidung und sozialer Teilhabe.
Zum Konzept zählen ein CO₂-neutrales Bandensystem, Tore aus recyceltem Aluminium sowie eine regionale Produktion, die Transportwege reduzieren soll. Verbleibende Emissionen werden vollständig kompensiert. Organisatorisch kommt hinzu, was bei Sportevents oft an letzter Stelle steht, aber über die Glaubwürdigkeit entscheidet: Zero-Waste-Ansatz, Mehrwegkonzepte, konsequente Mülltrennung und regionales Catering. Sozial flankiert wird das Turnier durch Spenden, Inklusions- und Schülerspiele sowie durch kostenlose Teilnahme für benachteiligte Kinder und stark vergünstigte Eintrittspreise. Der Anspruch ist, als „skalierbares“ Vorbild zu funktionieren – also nicht nur ein gelungenes Einzelereignis zu sein, sondern Abläufe zu etablieren, die auch andere Vereine realistisch übernehmen können.
Beim FC Flegessen/Hasperde richtet sich der Blick weniger auf ein einzelnes Event, sondern auf den Vereinsalltag über Jahre. Mit „Anstoß Zukunft“ wird eine seit über zehn Jahren gewachsene Vereinsarbeit gezielt zu einem langfristigen und ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzept für die Jugendarbeit weiterentwickelt. Der Ansatz ist breit angelegt: Sechs Gestaltungsfelder reichen von werteorientierter Jugendarbeit über nachhaltige Mobilität sowie Integration und Diversität bis hin zu einem bewussteren Umgang mit Material und Sportkleidung. Ergänzt werden Themen wie Gesundheit und Ernährung sowie der verantwortungsvolle Einsatz von Energie und Wasser und die Reduzierung von Müll.
Entscheidend ist dabei, dass das Konzept nicht auf dem Papier stehen bleibt. Zu den bereits umgesetzten Maßnahmen zählen klare Verhaltensleitlinien, eine bewusst reduzierte Ergebnisorientierung im Jugendbereich, Aus- und Weiterbildungen für Trainer und Schiedsrichter, die Förderung von Fahrgemeinschaften, die Weitergabe von Materialien sowie integrative Angebote. Im Kern steht ein Zielkonflikt, den viele Vereine kennen: Kinder sportlich zu fördern, ohne sie zu überfordern – und gleichzeitig Werte, Zusammenhalt und Verantwortung so zu verankern, dass sie im Training, im Umgangston und in der Organisation sichtbar werden.
Die drei Finalisten zeigen damit drei unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Wie kann ein Verein so handeln, dass Wirkung über den Spieltag hinaus entsteht? Ob Haltung gegen digitale Gewalt, ein ökologisch und sozial ausgerichtetes Turnier oder langfristige Jugendarbeit – die Reihenfolge wird erst in Hannover entschieden. Die inhaltliche Spannweite des Preises ist aber schon jetzt deutlich.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://sportnews-hildesheim.de/artikel/nfv-nachhaltigkeitspreis-delmenhorst-einum-oder-flegessen-hasperde/, 04.06.262026
- https://www.nfv.de/verband/nfv-aktuell/news/news-detail/nachhaltigkeitspreis-delmenhorst-einum-oder-flegessen-hasperde, 24.04.2026
- https://sonnentaler-hallenmasters.de/ueber-das-turnier/, 09.01.2025

